Stuttgart 21 - Betrachtung der geplanten Funktion

  • Hallo Spur 0er,


    das Projekt Stuttgart 21 spricht mich an und fasziniert mich, weswegen ich es im Internet verfolge. Architektonisch ist es schön zu erleben, wie das Projekt formschön wächst, und ein Juwel zu werden scheint. :)


    Jedoch je mehr ich mich dabei in das Thema vertiefe, desto mehr Fragen zur Funktion tauchen bei mir auf:


    - sind die Zulaufgleise von der Strecke in den Bahnhof überhaupt in der Lage, den ganzen Verkehr zu tragen?

    - können die 8 Bahnhofsgleise tatsächlich ausreichen für Fern- und Nahverkehr?

    - da und dort gibts Auf- und Abgänge, jedoch je mit nur einer Rolltreppe -> sperrt man da die Alten und Behinderten aus?

    - wird nicht der alte Kopfbahnhof für den Nahverkehr bleiben müssen?

    - ist die Lösung nicht am Ende doch etwas zu kostspielig? -> kalkuliere 250 EUR die ich selber alleine für den Bau zahlen muß

    - warum soll der Mercedes-Stern wieder auf den Turm oben drauf, wo man doch weiß,

    daß die Auto-Industrie erklärter Gegner der Bahn ist? X/


    Das Ganze macht mich mehr und mehr nachdenklich :/ Wie seht Ihr als 'Eisenbahn-Denkende' das Thema? Ich freue mich auf Eure Meinungen!


    Grüsse

    die Mosquito

  • Hallo Zusammen,


    in meiner Wahrnehmung ist das ein gutes Beispiel für die "strukturelle" Korruption in unserem Land.

    Da hat jemand die innerstädtischen Grundstücke gewittert und das Thema angeschoben. Und loyale "nützliche" Vasallen aus der Politik haben das ganze dann durchgesetzt.

    Das passiert im Rahmen des Pro Straße-Lobbyismus auch irgendwie ständig. Oh da ist einen ungenutzte Bahnfläche - lasst uns die schnell entwidmen bevor es einer merkt und einen Supermarkt oder einen Radweg drauf bauen - bloß dass da keiner auf die Idee kommt man könnte LKW-Verkehr auch über die Schiene abwickeln ... oder öffentlichen Nahverkehr.

    Wenn man da weiter Schaut ist Stuttgar21 mit erheblichen Risiken behaftet / Gefälle im Bahnhof, Gips-Keuper um die Tunnel und zu klein dimensioniert.
    im Prinzip hätten sie Stuttgart21 dazu bauen müssen und nicht mit dem Ziel den bisherigen HBf zu ersetzen.

    Just my 2ct's

    VG, Stefan

  • Einen wunderschönen guten Tag


    Mal eine Gegenfrage. Wer von euch war schon einmal an einem Bauprojekt der öffentlichen Hand beteiligt.

    Kann dazu einmal Hintergründe erläutern wie so ein Projekt , egal ob groß oder klein , abläuft.


    Ich könnte dazu mal aus Berlin ein Beispiel aufzeigen , was auch durch die öffentlichen Medien ging.

    An solch einem Beispiel kann man sehr gut sehen welchen Drahtseilakt alle Beteiligten oft gehen , ohne dabei immer genau die Zukunft zu kennen.



    Mit freundlichen Grüßen


    Lothar

    • Offizieller Beitrag

    Moin,


    ja ein hoch diskutiertes Thema... Was immer gerne ausgelassen wird, ist was alles dazu gehört. Die ganzen Tunnelanlagen in- und um Stuttgart, die komplette Neubaustrecke bis Ulm etc.pp. Es ist ja nicht "nur ein Bahnhof" für 11 Milliarden. Die rechtlichen Möglichkeiten, Bürokratie und diverse Klagen unserer Umweltschützer steigern die Kosten bei solchen Projekten ins unermessliche, ganz egal worum es geht.


    Ich persönlich war einmal als jugendlicher am Hauptbahnhof Stuttgart, es war eine Farce. Unübersichtlich, enge lange Tunnel zum umsteigen. Das ist alles, was ich von dem alten Bahnhof in Erinnerung behalten habe. Dagegen ist der Frankfurter Hauptbahnhof ja ein Schmuckstück. Ich heule dem also nicht nach. Ob der neue nun ausreichend dimensioniert ist etc.? Keine Ahnung, ich denke das wird man sehen wenn er in Betrieb ist. Der heutige Betrieb ausschließlich mit Triebzügen im Personenverkehr, häufigen Zugtrennungen in unterschiedliche Richtungen bedarf glaube ich einfach anderer Infrastruktur als es früher war...


    Beste Grüße,

    Manuel

  • Mann, bin ich E N T T Ä U S C H T !!! ||


    Da hat uns doch jemand versprochen, 1. Klasse auf dem Mars landen zu können, und nun sind sie nicht mal in der Lage, von einer Bierkiste in den Sandkasten zu hopsen!?! X(


    Mein Vertrauen ist nun komplett dahin! Die sollen das Ganze jetzt stoppen, bevor noch weiter Zeit und Milliarden verballert werden. Die können gern ein Aquarium draus machen, oder was weiß ich! Einen funktionierenden Bahnhof haben die ja bereits, und das 'Neue' wird definitiv kein Bahnhof mehr. Grrrr!!! X/


    Hab' grad in der WebCam nachgeschaut: über Stuttgart lacht die Sonne! Und über uns lacht jetzt wohl die ganze (Eisenbahn)Welt!!! :(


    Sehr traurige Grüsse

    die Mosquito ;(

  • Hallo Zusammen,


    hätten sie die Stellwerke halt bei Siemens gekauft. Die 8 Gleise ist jetzt nix besonderes ... im Vergleich zu dem was es bereits gab. Lieber hunderte Millionen für Elektronik ausgegeben als auch nur einen zusätzlichen Fahrdienstleiter zu brauchen ... um es Mal überspitzt in den Raum zu werfen.


    VG, Stefan

  • Hallo Mitleidende,


    gleich nebenan in der Schweiz, ist das Bahnnetz seit Jahren zu beinahe 100 % eben mit selbiger ETCS - Zugsicherung ausgerüstet, was die in Stuttgart grad 'projektieren'. Als ob es das Neueste von der Welt wäre?! Wenn das nicht lächerlich ist? Nach all den Jahren der Vorbereitung? :/


    Vielleicht ist es ein gutes Geschäftsmodell von dem Konsortium dort, den Start des Bahnhofs weiter zu verzögern, und dadurch noch eine Milliarde so zu verbrauchen, daß so Einige auch was davon haben. Sorry, ist nur so ein Albtraum von mir ... :sleeping: X( :sleeping:


    Wenn das Ganze am Ende 12.000.000.000 EUR kostet, und wir im Staat ca. 40.000.000 Steuerzahler haben, kommen doch auf JEDEN von uns 300 EUR 'Anteil' zu. Und DIESER Albtraum ist längst Realität geworden! X(


    zornige Grüsse

    die Mosquito

  • Ich bin - wie die meisten hier vermutlich - kein professioneller Eisenbahnplaner. Deswegen nur meine unmaßgebliche Meinung zu Stuttgart 21:

    Tunnelbau ist immer ein vielfaches komplexer und als ein oberirdischer Bau; zumal in dem recht weichen Untergrund in Stuttgart, der stabilisiert werden muss. Eine Lösung wie in Kassel (Fernbahnhof als Durchgangsbahnhof auf die ‚grüne Wiese‘ und ggf. reduzierter alter Kopfbahnhof für den Nahverkehr) wäre vermutlich um Größenordnungen billiger gewesen und seit Jahren in Betrieb.


    Aber: hätte, wäre, könnte ..,


    Fakt ist, dass der Bahnhof jetzt auf der Zielgeraden ist und irgendwann in den nächsten Jahren in Betrieb gehen wird. Und die Bahn und ihre leidgeprüften Benutzer werden damit leben (müssen).


    VG Dirk

  • Einen wunderschönen guten Tag


    Mit der Sicht von heute kann man ältere Bauprojekte mit einem anderen Auge betrachten.

    Hier mal ein Beispiel aus den späten Fünfziger Jahren aus Berlin.


    Es wird im Anfang über den Neubau der U Bahn Linie G ( heutige U9 ) berichtet und zum Schluss die Verlängerung der U Bahn Linie C ( heutige U 6)

    Der U Bahnbau in Berlin war nach dem Krieg im Westteil der Stadt eine politische geprägte Angelegenheit. Einerseits wollte man die Straßenbahn loswerden und auf der anderen Seite ging es auch dabei um die Berliner S Bahn. Welche ja auch in den Westsektoren durch Ost Berlin betrieben wurde.

    Die U Bahn Linie G ( heutige U 9 ) ist bis heute in Berlin die einzige jemals komplett neugebaute Linie .

    Diese wurde von Anfang an auch für das später eingebaute LZB geplant und konnte bis auf ein paar kleine Abschnitte mit 70km/h befahren werden.




    Am Schluss spricht Willy Brandt auch über eine Vision , ein vereintes Berlin.

    Wenn auch nie einer , auch in den späteren Jahren , damit gerechnet hat. Gab es seit Mitte der Fünfziger Jahre für Berlin den sogenannten 200km Plan.


    Deshalb wurde in Berlin bis weit in die 80ziger Jahre Beton für Tunnel und Bahnhofsanlagen verbaut , welche bis heute und wahrscheinlich nie benutzt werden.







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    Mit freundlichen Grüßen


    Lothar

  • Wem bei der Geschichte meine ganz besondere Hochachtung gilt, sind die Arbeiter, die das Ganze bisher umgesetzt haben, und wohl auch fertig machen werden! Echt stark, was die bisher geleistet haben!


    An denen ists nicht gescheitert, davon bin ich überzeugt!


    Lob und Anerkennung!

  • ... und dass das Projekt ohne Signale geplant wurde (kein PZB mgl.!), wird den Betreibern auch nach der Eröffnung immer wieder mal auf die Füße fallen, wenn der ETCS-Server oder die ETCS-Funkverbindung nicht funktioniert.


    Würde ich insgesamt als 'sehr sportlich' bewerten wollen.


    Grüsse

    die Mosquito

  • Ich bin - wie die meisten hier vermutlich - kein professioneller Eisenbahnplaner. Deswegen nur meine unmaßgebliche Meinung zu Stuttgart 21:

    Tunnelbau ist immer ein vielfaches komplexer und als ein oberirdischer Bau; zumal in dem recht weichen Untergrund in Stuttgart, der stabilisiert werden muss. Eine Lösung wie in Kassel (Fernbahnhof als Durchgangsbahnhof auf die ‚grüne Wiese‘ und ggf. reduzierter alter Kopfbahnhof für den Nahverkehr) wäre vermutlich um Größenordnungen billiger gewesen und seit Jahren in Betrieb.



    Es gab bekanntlich eine rege Bürgerbeteiligung zu dem Projekt. Bedauerlicherweise werden diese Bürger heute als Wutbürger diffamiert, obwohl so manche Verhersage inzwischen erreicht oder übertroffen wurde.

    Sehr interessant waren z.B. die Beiträge der Initiative "Bauingenieuere gegen Stuttgart 21", die vieles korrekt vorhergesagt haben.


    Zu Deiner Bemerkung "weicher Untergrund": In den Hügeln die Stuttgart umgeben, lagert häufig Anhydrit, der bei Kontakt mit Wasser um mehr als 50% aufquellen kann. Der Engelbergtunnel in der Nähe Stuttgarts wurde z.B. seit seiner Eröffnung 1999 bereits drei mal renoviert, um dem quellenden Anhydrit zu begegnen. Einige Tunnel des Projekts S21 führen durch diese Vorkommen.


    "Grüne Wiese": In Untertürkheim wäre ein nicht mehr genutztes Bahngrundstück als Bahnof auf der grünen Wiese möglich gewesen. Das Grundstück ist perfekt an das Fernverkehrsnetz angebunden.


    ETCS: Stuttgart 21 war nicht von Anfang an als ETCS-Knoten geplant. ETCS wurde erst später in das Projekt aufgenommen, um die Leistungsfähigkeit zu erhöhen.


    Michael

  • ETCS: Stuttgart 21 war nicht von Anfang an als ETCS-Knoten geplant. ETCS wurde erst später in das Projekt aufgenommen, um die Leistungsfähigkeit zu erhöhen.


    Michael

    Dass ETCS (European Train Control System) erst 'später' mit ins Spiel kam, war mir nicht bekannt. Jedoch muß es doch recht 'früh' mit im Boot gewesen sein, weil ja offensichtlich keine Signale geplant waren.


    Wenn ETCS ohne Funktion ist - heute oder irgendwann - kann KEIN Zug die Schnellfahrstrecke von/nach Ulm, und KEIN Zug den neuen Stuttgarter Tief-Bahnhof befahren! Heißt, alle Fernzüge müssten dann den Tiefbahnhof Stuttgart 'umfahren' und über die alte Strecke (Geislinger Steige) nach Ulm zuckeln.


    Grüsse

    die Mosquito

  • Das Hauptproblem mit jeglicher Signaltechnik ist, dass es immer weniger Fachkundige für das Metier gibt. Das Problem ist bereits heute sehr hinderlich, in 10 oder 20 Jahren wird es zum Stillstand führen.

    Ein Abnehmer braucht etwa 15 - 20 Jahre Ausbildung und Berufserfahrung, bis er verantwortlich abnehmen darf.
    Wer soll das machen? Wer will sich der Verantwortung stellen und in das Abenteuer stürzen? Für junge Leute eine riesige Chance.
    Inzwischen gräbt man über 70-jährige wieder aus, die unterstützend tätig werden können. Für die Verantwortlichen gibt es ja eine Altersgrenze.
    Gerade deshalb wäre der flächendeckende Neubau wichtig; diesen kann man simulieren und durchtesten, bevor draußen die Anlage abschließend abgenommen wird.
    Wir haben immer noch Stellwerke aus Kaisers Zeiten in Betrieb.

  • Hallo Zusammen,


    nun... man könnte ja Leute ausbilden. Aber vermutlich hofft da immer noch jemand darauf, dass sich entsprechend fertig ausgebildete - deutsch sprechende - Fachkräfte aus dem nahen oder fernen Osten oder aus irgendwo in Afrika zufällig einschleichen..... die für kleines Geld ... 🤦‍♂️

    Damit mehr für die Boni der Fach-Koriphähen übrig bleibt ....


    VG Stefan

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